
Freitag, 28. August
Mehr als einhundertfünfundsechzig Tote in Nepal und Tibet, dreizehnhundert Vermisste
Überschwemmungen und Erdrutsche in Nepal und Tibet
Ronahî: Am Mittwoch ereigneten sich an der Grenze zwischen dem Autonomen Gebiet Tibet in China und Nepal schwere Überschwemmungen und Erdrutsche. Mindestens einhundertfünfundsechzig Menschen kamen ums Leben.
Ronahî: Diese Zahl könnte noch steigen, weil mehr als dreizehnhundert Menschen noch immer vermisst werden. Die Such- und Rettungsarbeiten dauern in einem weiten Gebiet an.
Kamîran: Dreizehnhundert Vermisste — das ist deutlich mehr als die Zahl der Toten. Das Ausmaß der Katastrophe ist also noch unklar.
Ronahî: Richtig. Die Überschwemmungen haben in einem großen Gebiet Zerstörungen angerichtet, und deshalb ist der Zugang zu vielen Orten erschwert. Deshalb wird in den nächsten Tagen klarer, wie viele der Vermissten unter den Toten sein werden.
Kurdischer Unterricht in Syrien
Kamîran: Lassen Sie uns von der Katastrophe nach Syrien wechseln — dort gibt es eine bemerkenswerte Entscheidung zur kurdischen Sprache.
Ronahî: Ja. Das Bildungsministerium der syrischen Übergangsregierung hat beschlossen, dass die kurdische Sprache an öffentlichen und privaten Schulen unterrichtet wird. Das wird als Teil des Schutzes kultureller und sprachlicher Rechte dargestellt.
Ronahî: Andererseits stellen Intellektuelle fest, dass dieser Schritt zwar positiv sei, aber nicht ausreiche. Ihrer Meinung nach müsse die kurdische Sprache in der künftigen Verfassung Syriens den offiziellen Status erhalten — das sei der Schlüssel zur Gleichberechtigung der Bürgerinnen und Bürger.
Kamîran: Es gibt also einen Unterschied zwischen dem Unterricht in der Schule und dem offiziellen Status in der Verfassung.
Ronahî: Genau. Ein Mitglied des Intellektuellenverbandes, Ebdulwehab Pîranî, betont, dass der Unterricht ein erster Schritt sei, der echte Schutz jedoch an den verfassungsrechtlichen Status gebunden sei.
Gespräche der YPJ mit Damaskus
Ronahî: In diesem Zusammenhang hat die Generalkommandantur der Frauenverteidigungseinheiten, YPJ, eine Erklärung zu den Gesprächen in Damaskus veröffentlicht. Laut der Erklärung trafen sich Vertreterinnen der YPJ am sechsundzwanzigsten August mit Innenminister Enes Xettab, und das Gespräch verlief positiv und konstruktiv.
Kamîran: Und welches Ziel verfolgen diese Gespräche?
Ronahî: Die Vollendung des Integrationsprozesses. Die YPJ sagt, sie werde ihre Gespräche fortsetzen, damit dieser Prozess abgeschlossen werden kann. Nach Angaben von Quellen endete die Sitzung gegen ein Uhr fünfundvierzig nachts, und es wird gesagt, dass die Autonomie der YPJ berücksichtigt werde.
Ronahî: Allerdings muss gesagt werden, dass wir bisher nur die Seite der YPJ und der Quellen hören — vom Ministerium gibt es noch keine offizielle Stellungnahme.
Sicherheitsrat und israelische Angriffe
Kamîran: Syrien war auch bei den Vereinten Nationen Thema.
Ronahî: Ja, in der Sitzung des Sicherheitsrats stellten Verantwortliche fest, dass sich die Lage in Syrien schneller verbessere, und riefen zur Unterstützung von Stabilität und Wiederaufbau auf.
Kamîran: Gleichzeitig wurde auch über die Luftangriffe gesprochen.
Ronahî: Allerdings. Das Verteidigungsministerium der Türkei forderte, dass die israelischen Angriffe auf syrisches Gebiet sofort beendet werden. Die Türkei erklärt, die Entwicklungen genau zu beobachten, während die Vereinigten Staaten versuchen, einen Mechanismus zu schaffen, um Konflikte zwischen Israel, der Türkei und Syrien zu verhindern.
Hitze in Deutschland
Kamîran: Vom Nahen Osten nach Europa — der deutsche Sommer brachte einen traurigen Rekord mit sich.
Ronahî: Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts kamen bis zum sechzehnten August dieses Sommers durch die extreme Hitze fünfzehntausendachthundert Menschen ums Leben.
Ronahî: Und das ist ein Rekord — die vorherige Zahl wurde erst in der vergangenen Woche bekannt gegeben, das heißt, diese Zahl hat sich in sehr kurzer Zeit noch weiter erhöht.
Todesstrafe im Iran
Ronahî: Im Iran wurde die dreiundvierzigjährige Leyla Ebolhusnî, Mutter zweier Kinder, wegen des Vorwurfs der „Feindschaft gegen Gott“ zum Tod durch Erhängen verurteilt. Sie war wegen des Drehens von Aufnahmen in einem Laden festgenommen worden.
Kamîran: Nur wegen des Drehens von Aufnahmen — und das Ergebnis ist die Todesstrafe.
Ronahî: Laut Berichten ist sie eine von vielen Demonstrantinnen, die mit schweren Gerichtsurteilen konfrontiert sind. Gleichzeitig wurden in Urmia zwei kurdische Schwestern vor zwei Monaten festgenommen, und bis heute gibt es keine Informationen über sie.
Schiff in der Straße von Hormus
Kamîran: Und wir schließen mit einer Nachricht vom Meer.
Ronahî: Die britische Maritime Trade Operations Authority meldete, dass in der vergangenen Nacht in der Straße von Hormus ein Öltanker angegriffen wurde. Das Schiff geriet in Brand, der später gelöscht wurde.
Kamîran: Und wissen wir, wer angegriffen hat oder wem das Schiff gehörte?
Ronahî: Nein, das ist auch nicht klar. In der Erklärung heißt es, dass bisher weder die Identität des Schiffes noch sein Zielort geklärt worden seien.