
Mittwoch, 30. September
Debatte um kurdischen Unterricht geht weiter – Ocalan schickt Botschaft an Londoner Konferenz
Kurdischer Unterricht: von Mezlûm Ebdîs Botschaft bis zum Ruf nach Verfassungsverankerung
Kamîran: Der Unmut, über den wir gestern gesprochen haben, hat heute an Breite gewonnen. Ronahî, wer sagt was?
Ronahî: Die Entscheidung stammt vom siebenundzwanzigsten August. Das Bildungsministerium der syrischen Übergangsregierung hat den kurdischen Unterricht auf drei Stunden pro Woche begrenzt. Der Berater der syrischen Präsidentschaft, Mezlûm Ebdî, hat in einem Videobotschaft kurdische Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien aufgerufen, das neue Schuljahr fortzusetzen, und versprochen, sich weiter dafür einzusetzen, dass die kurdische Sprache offiziell anerkannt wird.
Ronahî: Im Gebiet Cizîrê haben auch Anwältinnen und Anwälte gefordert, den Status der kurdischen Sprache in der syrischen Verfassung festzuschreiben und nicht bei symbolischen Schritten stehen zu bleiben. In al-Hasaka erklärte die Schülerin Êlîn Botî, Kurdisch sei ihre Muttersprache und sie habe das Recht, ihre Ausbildung in dieser Sprache fortzusetzen.
Kamîran: Das heißt, es geht längst nicht mehr nur um die Zahl der Stunden, sondern um den Platz der Sprache im Gesetz.
Ronahî: Genau, und das zeigt sich auch auf der Straße. In Zirgan haben junge Menschen der PYD und Bewohnerinnen und Bewohner eine Demonstration veranstaltet, mit Transparenten wie „Unsere Sprache ist unsere Identität“. In Dirbêsiyê hat der Kongreya Star den Beschluss als Angriff auf die Errungenschaften des kurdischen Volkes bezeichnet. In diesen Nachrichten findet sich keine Stellungnahme des Ministeriums zu den Vorwürfen.
Ocalans Botschaft und Besê Hozats Einschätzung
Ronahî: Ein weiteres Thema ist der Friedensprozess. Abdullah Ocalan hat eine Botschaft an die Konferenz für Frieden und demokratische Integration geschickt; die Konferenz beginnt heute in London und endet morgen; sie wird vom Kurdî Center for Studies organisiert.
Ronahî: In der Botschaft sagt Ocalan, sein am siebenundzwanzigsten Februar zweitausendfünfundzwanzig verkündeter Aufruf zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft habe das Tor zu einer neuen Phase geöffnet und das Hauptziel sei der Aufbau einer demokratischen Gesellschaft.
Kamîran: Und von Seiten der KCK gibt es eine Stimme, die nicht ganz so hoffnungsvoll klingt.
Ronahî: Richtig. Die Ko-Vorsitzende des Exekutivrates der KCK, Besê Hozat, sagte in einem Fernsehinterview, die Bewegung habe in den letzten zwei Jahren wichtige Schritte unternommen, doch die Regierung habe nach ihrer Einschätzung keine ernst gemeinte Antwort gegeben. Hozat sagte, ohne Demokratisierung könne der Prozess nicht gelingen. Zur Region Westkurdistan äußerte sie, ohne eine Änderung der zentralistischen Haltung Damaskus sei eine demokratische Integration nicht möglich. Das ist die Einschätzung einer Seite; eine Stellungnahme der Regierung ist in den Nachrichten nicht enthalten.
Cizîrê: Teuerung, Aufhebung japanischer Sanktionen und Rückgang der Hilfen
Ronahî: In Cizîrê stehen Familien laut Berichten unter dem Druck wirtschaftlicher Entscheidungen der Übergangsregierung: die Zölle auf Importgüter sind gestiegen, die Treibstoffpreise sind hoch, es gibt eine Krise der neuen Währung, und Getreidegelder sowie Gehälter der Beschäftigten werden verspätet ausgezahlt. All das nach einem Krieg, der vierzehn Jahre gedauert hat.
Ronahî: Am selben Tag hat Japan mitgeteilt, Sanktionen gegen einige syrische Behörden und Unternehmen aufzuheben, die in den Bereichen Erdöl und Gas, Finanzen und Telekommunikation tätig sind.
Kamîran: Oben öffnet sich also die Tür für die Wirtschaft, unten aber werden die Familien noch stärker belastet. Und die internationale Hilfe – wo ist sie?
Ronahî: Auch sie nimmt ab. Das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen hat gewarnt, dass aufgrund der Finanzkrise in diesem Jahr fast acht Millionen dreihunderttausend Flüchtlinge und Vertriebene ohne Unterstützung bleiben könnten. In Syrien sind allein einhundertzweiundsechzigtausendfünfhundert Vertriebene und Rückkehrer von einem Verlust der Hilfe bedroht.
Vertriebene aus Serêkaniyê in Kobanê
Kamîran: Zur Rückkehr nach Serêkaniyê, über die wir gestern schon gesprochen haben, gibt es heute eine Zahl.
Ronahî: Das Mitglied des Komitees der Vertriebenen aus Serêkaniyê in Kobanê, Sara Kawas, sagte, derzeit seien etwa eintausendsiebenhundert aus ihren Häusern Vertriebene in Kobanê registriert.
Ronahî: Laut ihr bemüht sich das Komitee darum, dass diese Menschen sicher und so schnell wie möglich in ihre Stadt zurückkehren.
Militärflugzeug in Russland abgestürzt
Ronahî: Das russische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass heute ein Militärflugzeug des Typs Tu-hundertfünfundneunzig in der östlichen Region Amur abgestürzt sei.
Ronahî: Sechs Besatzungsmitglieder haben ihr Leben verloren, eines wurde verletzt.
Kamîran: Und die Ursache? Was sagt das Ministerium?
Ronahî: Nach Angaben des Ministeriums ist das Flugzeug während eines Übungsflugs abgestürzt, in einem unbewohnten Gebiet. Eine technische Ursache für den Absturz wurde in den Mitteilungen nicht genannt.
Türkische Lira erneut im Tief
Ronahî: Kurz zur Wirtschaft: die türkische Lira ist gegenüber dem US-Dollar auf ein historisches Tief gefallen.
Kamîran: Wie viel?
Ronahî: Am Dienstag wurde ein Dollar für etwa neunundvierzig Lire gehandelt, gegenüber achtundvierzig Komma achtundneunzig Lire am Vortag. Die Veränderung ist gering, aber sie ist ein Rekord.