
Sonntag, 18. Oktober
Entscheidung zu Kurdischunterricht löst starke Reaktionen aus, Human Rights Watch berichtet auch über Einschränkungen für Frauen
Human Rights Watch: Einschränkungen für Frauen in der syrischen Armee
Ronahî: Die Organisation Human Rights Watch hat einen Bericht über die Lage von Frauen in Syrien erstellt. Dem Bericht zufolge hat die Übergangsregierung im vergangenen August den Frauenverteidigungseinheiten, also der YPJ, nicht gestattet, unter eigener Bezeichnung in die Armee einzutreten.
Ronahî: Human Rights Watch wertet diese Entscheidung als Einschränkung der Beteiligung von Frauen an militärischen und sicherheitspolitischen Einrichtungen. Die Organisation bringt dies auch mit Beschränkungen bei der Aufnahme von Frauen in die meisten Programme der Verteidigungsakademie in Verbindung.
Kamîran: Die Organisation sieht dies also als weitergehende Angelegenheit und nicht nur als Frage der YPJ.
Ronahî: Kurz gesagt, ja. Es muss jedoch gesagt werden, dass unter den vorliegenden Quellen keine Antwort der Übergangsregierung auf diesen Bericht vorliegt; bislang gibt es nur die Bewertung der Organisation.
Reaktionen gegen die Einschränkung von Kurdischunterricht
Kamîran: Von Frauen und der Armee geht es nun in die Schule. Das Thema Kurdischunterricht, das wir gestern bereits angesprochen haben, geht heute mit neuen Stimmen weiter.
Ronahî: Das Bildungsministerium der syrischen Übergangsregierung hat beschlossen, den Unterricht auf Kurdisch auf nur drei Stunden pro Woche zu begrenzen. Kurdische Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien sagen, dass Unterricht in der Muttersprache ein grundlegendes Recht sei und nicht eingeschränkt werden dürfe.
Ronahî: Heute haben sich auch Schriftsteller und Intellektuelle aus Dêrik den Reaktionen angeschlossen. Sie haben gefordert, dass die kurdische Sprache in der syrischen Verfassung offiziell anerkannt wird, und erklärt, dass Sprache der Kern der Identität ist und nicht nur ein Mittel der Verständigung.
Ronahî: Der Schriftsteller Melevan Resûl sagte, Syrien durchlaufe einen Übergangsprozess und es müsse ein demokratisches, pluralistisches Modell aufgebaut werden. Seiner Ansicht nach entstehen Nationen vor allem auf der Grundlage von Bildung, Gerechtigkeit und dem Aufbau von Institutionen.
Kamîran: Deshalb dreht sich die Diskussion nicht mehr nur um die Anzahl der Unterrichtsstunden. Sie ist inzwischen bei der Frage angelangt, ob die Sprache in der Verfassung verankert wird oder nicht.
Vertriebene aus Serêkaniyê wollen vor dem Winter zurückkehren
Ronahî: Im Waşûkanî-Lager im Umland von Hesekê leben Vertriebene aus Serêkaniyê, den Dörfern um Girê Spî und Zirgan. Die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen: eine spricht von mehr als zweitausend Personen, eine andere von mehr als zweitausend Familien.
Ronahî: Mit dem nahenden Winter nimmt die humanitäre Hilfe ab, Brennstoff ist kaum erhältlich, und die Lebensbedingungen in den Zelten werden zunehmend schwer. Aus diesem Grund wollen die Vertriebenen in ihre Heimatorte zurückkehren.
Kamîran: Dagegen sind im Raum Efrîn einige Familien zurückgekehrt. Wie ist die Lage dort?
Ronahî: Den Berichten zufolge sind bislang etwa zehntausend Familien nach Efrîn zurückgekehrt. Kemal Xoce, der vierunddreißig Jahre alt ist, kehrte im vierten Konvoi mit zwölfhundert Familien am neunten Mai aus Qamişlo nach Efrîn zurück. Er sagt, die Arbeitslosigkeit in der Stadt sei sehr weit verbreitet.
Tötungen in Syrien: Die Zahlen steigen
Ronahî: Nach Angaben der Syrischen Menschenrechtsbeobachtungsstelle wurde in Kiswe im Umland von Damaskus die Leiche einer Frau mit Einschussspuren in ihrem Haus gefunden. Weitere Informationen zu dem Vorfall wurden nicht bekannt gegeben.
Ronahî: Im Osten des Umlands von Dêrazor wurde in der Stadt Xiranîc eine Person bei einer Auseinandersetzung durch Schüsse aus nächster Nähe getötet.
Ronahî: Nach Angaben derselben Beobachtungsstelle wurden seit Jahresbeginn vierhundertzwanzig Tötungsdelikte erfasst. Darunter verloren dreihundertdreiundsechzig Männer, vierundsechzig Frauen und achtunddreißig Kinder ihr Leben.
Kamîran: Das sind etwa dreihundertfünfzig Tötungen in weniger als zehn Monaten. Etwa achtunddreißig Kinder sind darunter.
YRK äußert sich zu den Angriffen des Irans
Kamîran: Nun geht es über die Grenze in den Iran.
Ronahî: Das Kommando der Ostkurdistan-Verteidigungseinheiten, YRK, teilte mit, dass iranische Kräfte in jüngster Zeit erneut Angriffe auf ihre Einheiten durchgeführt hätten. Die YRK erklärte, sie werde gegen jeden Angriff auf ihr Volk und ihre Kräfte ihr Recht auf legitime Selbstverteidigung wahrnehmen.
Ronahî: Diese Behauptung stammt ausschließlich von der YRK. In der Erklärung wurden weder Ort noch Anzahl der Angriffe genannt, und von iranischer Seite ist bisher keine Stellungnahme erfolgt.